Bellersheim hilft bei Großbrand in Boden


Feuer war sehr schwer zu löschen

Großbrand Zusammenarbeit der Wehren funktionierte bestens – Niemand wurde verletzt

Von unserem Redaktionsleiter Markus Müller

Boden. Die Szenerie ist gespenstisch: In Boden herrscht Dunkelheit, da der Strom abgeschaltet werden musste. Nur in der Ortsmitte ist eine Hausruine, aus der seit Stunden dichte Rauchwolken quellen, in gleißendes Licht getaucht. Gerade rückt der Spezialbagger an, mit dem endlich die hartnäckigen Glutnester in dem Gebäude beseitigt werden sollen. Zwei Fachleute der Firma Bellersheim kommen gleich mit: Markus Endlein, der den Bagger steuert, und Detlef Dupp, der in den Korb einer Drehleiter steigt und die Aktion von dort aus lenkt. Dabei ist es von großem Vorteil, dass er gleichzeitig Wehrführer im Nachbardorf Niederahr ist.

Am Straßenrand stehen einige Mitglieder der beiden türkischen Familien, deren Zuhause das abgebrannte Haus war. Emine Alakent, die ihre dreijährige Tochter auf dem Arm hält, ist fassungslos, dass sie auf einen Schlag ihre gesamte Habe verloren hat. Dorfbewohner haben schnell Decken gebracht, in die sie und ihre Verwandten die kleineren der 3- bis 18-jährigen Kinder eingehüllt haben. Insgesamt wohnten in dem großen Haus gut ein Dutzend Personen. Emine Alakent berichtet: „Wir waren gerade fast alle einkaufen, als uns der Notruf von zu Hause erreicht hat.“ Die 16-Jährige, die diesen vom Balkon des brennenden Hauses abgesetzt hat, hat dann auch geistesgegenwärtig die Feuerwehr alarmiert. Zurück ins brennende Haus konnte sie nicht mehr. Dort stand offenbar schon alles in Flammen Helfer retteten sie mit einer Leiter von dem Balkon.

Besonders tragisch ist das Unglück für das Besitzerehepaar, das sich zur Zeit in der Türkei aufhält, aber seit mehr als 30 Jahren in Boden lebt, wie Ortsbürgermeister Peter Stamm berichtet. Er kennt die beiden Familien als sehr nette Leute. Deshalb ist er besonders froh, das niemand bei dem Brand verletzt wurde. Stamm ist auch voll des Lobes für die Arbeit der Rettungskräfte: „Die Zusammenarbeit zwischen den vielen verschiedenen Einheiten funktioniert hervorragend.“

Mittlerweile hat der Bagger mehr und mehr glühende Balken, zersprungene Eternitplatten und andere Gegenstände von dem Gebäude abgetragen und auf dem Hof aufgehäuft. Dort werden sie sofort mit Löschwasser bespritzt. Die Feuerwehrmänner auf der Drehleiter löschen die aufgedeckten Glutnester im Dach- und Dachbodenbereich. Mehrere gefährlich schwankende Schornsteine bringt der Bagger zu Fall, oder sie werden mit dem Wasserstrahl umgeworfen.

Für den Baggerfahrer ist die Arbeit nicht ungefährlich, doch er meistert seine Aufgabe bestens. Die Männer auf den Drehleitern sorgen mit Kühlwasser dafür, dass die Hydraulikschläuche am Greifer nicht durchschmoren.

Zwischendurch kommt der stellvertretende Wehrleiter der Verbandsgemeinde Montabaur, Jens Weinriefer, von der Drehleiter herunter, um mit dem Wehrführer der Feuerwehr Montabaur, Reiner Henritzi, anhand von Handyfotos die weitere Taktik abzusprechen. Nach und nach nimmt auch der Qualm ab, Brandnester flackern nur noch selten auf. Gegen Mitternacht kann auch das Baggerteam seine Arbeit einstellen.

Überall sitzen jetzt erschöpfte Retter, trinken einen Kaffee oder rauchen eine Zigarette. Auch in den umliegenden Straßen, wo zuvor noch einige Dorfbewohner unterwegs waren, wird es ruhiger. Der Einsatz kann allerdings erst gegen 5.30 Uhr beendet werden.

Westerwälder Zeitung vom Mittwoch, 5. Juni 2013, Seite 20

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