Drei Damen auf Achse


Drei Damen auf Achse

Stefanie Becker, Ramona Christ und Beate Heimes fahren mit ihren Lastern jede Ladung pünktlich und sicher ans Ziel.

Ob es wirklich immer noch Vorbehalte gegen Frauen am Lkw-Steuer gibt und wie sich das Leben ‚on the road’ anfühlt, erzählen die drei Berufskraftfahrerinnen im Gespräch.

Kennen Sie Franz Mersdonk und Günter Willers?
(alle drei lachen)

Steffi Becker: Na klar. ‚Auf Achse’ haben wir vermutlich in den 70er Jahren alle geschaut. Die Serie ist absoluter Kult.

Beate Heimes: Natürlich habe ich die Serie damals auch geliebt. Aber Lkw fahren war immer ein Traum von mir. Ich bin durch meinen Vater quasi im Lkw groß geworden. Bei ihm bin ich seit meinem zweiten Lebensjahr regelmäßig mitgefahren. Und mir war klar, das will ich später auch machen.

Ramona Christ: Das war bei mir ähnlich. Ich bin auch von meinem Vater sehr häufig mit auf Tour genommen worden. Mit dem Job hier hat sich ein Kindheitstraum erfüllt.

Steffi Becker: Wir hatten damals Landwirtschaft, Milchkühe und etwas Ackerbau. Irgendwann lohnte sich das nicht mehr und ich habe mich nach Alternativen umgesehen. Durch die Landwirtschaft hatte ich bereits einen Lkw-Führerschein. 2003 bin ich dann hier bei Bellersheim als Aushilfe gefahren. Und seit 2004 bin ich fest angestellt.

 

Was für Touren fahren Sie?

Ramona Christ: Ich fahre Kipper im Fernverkehr. Ich hatte einige Touren nach Südfrankreich, nach Marseille. Und auch bis nach Norwegen bin ich schon gefahren.

Beate Heimes: Ich fahre auch Kipper, allerdings nur regional und als sogenannter Tageskutscher, das heißt ich bin abends wieder zuhause.

Steffi Becker: Ich bin auch Tageskutscher, fahre allerdings Tankwagen. Bei mir kommt hinzu, dass ich meine Ladung nicht einfach auskippe, sondern ich muss teilweise den Tankschlauch 60 oder 70 Meter weit bis zum Hausanschluss ziehen, damit ich beispielsweise Heizöl in den Tank füllen kann.

 

Denken Sie darüber nach, was Sie gerade geladen haben? Stichwort: brennbare Stoffen.

Steffi Becker: Nein, absolut nicht. Regel Nummer eins lautet immer: Ich will nach der Schicht unbeschadet wieder nach Hause kommen. Daher fahre ich jederzeit umsichtig, egal ob ich Heizöl oder Milch, wie damals in der Landwirtschaft, geladen habe. Meine eigene Sicherheit und das Wohl der anderen Verkehrsteilnehmer stehen immer an erster Stelle. Um die Grenzen der Fahrzeuge kennenzulernen und auch das Bewusstsein für diese Grenzen zu schärfen, machen wir in regelmäßigen Abständen Sicherheitsfahrtrainings.

Beate Heimes: Die Trainings müssen wir innerhalb von fünf Jahren einmal wiederholen. Das letzte Mal haben wir auf dem Nürburgring trainiert. Das war ganz schön anstrengend und ich habe sehr geschwitzt. Allerdings habe ich persönlich viele wertvolle Tipps und Erfahrungen für den Alltag mitnehmen können.

 Steffi Becker: Bei uns Tanklastwagenfahrern gibt es noch ein spezielles Training. Dabei bekommt der Auflieger Stützräder verpasst. Und ich muss dann im Kreis fahren und dabei die Geschwindigkeit permanent erhöhen, bis der Auflieger anfängt zu kippen, was er natürlich wegen der Stützräder nicht tut. Aber auch wenn ich das vorher weiß, kostet es sehr viel Überwindung an den Kipppunkt heranzufahren, weil ich normalerweise so nicht fahre. Aber es hilft mir als Fahrerin, die Grenzen der Maschine besser einschätzen zu können.

 

Der Güterverkehr ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie neben dem ständigen Termindruck zu kämpfen?

Ramona Christ: Da ich Touren über mehrere Tage fahre und ich meine Stand- und Ruhezeiten sehr genau einhalten muss, habe ich häufig das Problem einen ordentlichen Parkplatz zu finden. Vor allem am Abend sind viele Stellplätze überbelegt. Das sorgt bei mir als Fahrerin natürlich für Stress.

Steffi Becker: Das ist in der Tat ein Problem. Hinzu kommt, dass wir Frauen ja nicht einfach irgendwo parken können. Wir brauchen einen Standplatz mit einer Toilette. Die Männer sind da im Vorteil.

Beate Heimes: Und was auch ein immer größer werdendes Ärgernis ist: Sehr oft sind die Parkplätze völlig verdreckt und an einigen Stellen haben sich Damen aus dem Rotlichtmilieu auf Lkw-Fahrer festgelegt. Nichts gegen die Damen, allerdings sorgen solche Zustände dafür, dass Parkplätze von den Behörden geschlossen werden und die ohnehin knappen Parkkapazitäten noch kleiner werden.

 

Sie sind fast alle durch die Familie zum Lkw fahren gekommen. Welche Voraussetzungen sollte ein potentieller Bewerber grundsätzlich mitbringen?

Beate Heimes: Ganz wichtig ist natürlich der Spaß am Fahren und an großen Maschinen. Und ein Tüftlerherz ist manchmal auch nicht ganz verkehrt.

Steffi Becker: Wer es nicht mag, eine große Maschine um die kleinste Ecke zu lenken, der ist definitiv falsch in dem Beruf. Ohne Liebe und Herzblut zum eigenen Lkw geht es nicht.

Ramona Christ: Und jemand sollte Stress vertragen können. Denn mehrere Tage auf der Straße sind zum einen körperlich anstrengend und zum anderen belasten mich an einigen Tagen der Termindruck und die Suche nach Parkplätzen.

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