Spekulanten feuern Heizölpreise kräftig an


Spekulanten feuern Heizölpreise kräftig an

Energie Unsicherheit im Nahen Osten bringt Verbraucher ins Schwitzen

Von unserem Redakteur Jörg Hilpert

Rheinland-Pfalz. Wer mit Öl heizt, hat derzeit wenig Grund zur Freude: Die Preise bewegen sich deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Rudolf Bellersheim, Vorsitzender des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), sagt sogar: „Öl ist derzeit zu teuer.“ Denn Versorgungsengpässe, die Preiseskapaden rechtfertigen würden, kann der Verband nicht erkennen. Und die Weltkonjunktur schwächt sich derzeit eher ab, auch das spricht im Grunde gegen den Höhenflug der Ölpreise.

Doch der Markt wird durch die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten bestimmt. So macht der Konfrontationskurs des Irans Sorgen: Teheran droht im Streit über sein Atomprogramm und die gegen das Land verhängten Sanktionen damit, die Straße von Hormus zu sperren – das Nadelöhr für Öllieferungen aus dem arabischen Raum. Der VEH geht allerdings davon aus, dass selbst in diesem Fall die Versorgungssicherheit nicht gefährdet wäre, weil beispielsweise Norwegen mehr liefern würde – und dass der Iran die Blockade auch nicht lange aufrechterhalten könnte.

Dennoch schlagen sich die politischen Querelen nieder – weil Finanzinvestoren darauf spekulieren, dass Öl noch teurer wird. Der „Risikofaktor“ wird auf 20 bis 25 Dollar je Barrel (157 Liter) geschätzt – etwa ein Fünftel dessen, was Nordsee-Öl der Sorte Brent derzeit kostet. Sollte der Konflikt mit dem Iran weiter eskalieren, könnte der Ölpreis „kurzfristig in astronomische Höhen schießen“, heißt es beim Verband der Energiehändler.

Die politischen Konflikte dürften jedenfalls so schnell nicht gelöst sein, und deshalb ist auch guter Rat für den Verbraucher teuer. Der VEH empfiehlt, derzeit kleine Teilmengen zu bestellen – auf jeden Fall so viel, dass der Vorrat im Tank noch bis zum Ende der Heizperiode reicht. Sonst drohen böse Überraschungen.

Die erlebten in der jüngsten Kälteperiode einige Mieter, weil der Hausbesitzer keine Vorsorge getroffen hatte. Aus Sicht der Händler kam es zwar insgesamt nicht zu gravierenden Problemen, wohl aber zu logistischen Herausforderungen. Die Nachfrage stieg sprunghaft auf das Doppelte des Üblichen an, da viele Verbraucher aufgrund des zuvor milden Winters ihre Tanks nicht aufgefüllt hatten. Mit Notdiensten und Lieferungen am Wochenende hielten die Händler die Heizungen trotzdem am Laufen. „Keiner unserer Kunden musste frieren“, betont Bellersheim. Unterschiedliche Bezugsquellen machen die Branche flexibel, sie kauft sowohl bei den Raffinerien als auch bei Großtanklagern ein.

Der VEH empfiehlt als Strategie gegen ständig steigende Ausgaben fürs Heizen eine Modernisierung der Anlage. Öl-Brennwerttechnik spart Energie, erst recht, wenn sie mit einer Wärmeerzeugung per Solarkollektor gekoppelt wird. Das Problem: Wer nicht so betucht ist, kann angesichts steigender Ölpreise auch weniger für die Investition in eine neue Anlage zurücklegen. Immerhin: Die Branche fördert eine Umrüstung bis zum 31. Juli mit einer Prämie von bis zu 500 Litern Heizöl.

Wer Mühe hat, das Geld für „einmal volltanken“ aufzubringen, kann mittlerweile bei vielen Händlern ein „Wärmeabo“ abschließen. Die Idee: Die erste Lieferung wird nur zur Hälfte direkt bezahlt, danach folgen auf Dauer angelegte Abschlagszahlungen, die leichter zu tragen sein sollen.

RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 27. Februar 2012, Seite 7

 

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