Gute Marktversorgung mit Öl


Preise an Tankstellen bleiben moderat

Prognose Bellersheim: Gute Marktversorgung mit Öl

Neitersen. Die Autofahrer freut es: Die Fahrt zur Tankstelle ist seit Monaten mehr oder weniger relativ entspannt – dank (noch) moderater Preise. Rudolf Bellersheim, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens in Neitersen, das seit 130 Jahren die Region mit Kraftstoff und Heizöl versorgt, erwartet, wie viele Experten auch, dass „die Preise aufgrund der guten Marktversorgung moderat bleiben“. Das erklärte der ehemalige Vorsitzende des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte gegenüber unserer Zeitung und ergänzte: „Und auch die Heizöllieferanten kommen kaum noch nach bei der gestiegenen Anfrage.“ Das Gespräch im Wortlauf:

 

Rohstoffknappheit auf der einen Seite und günstige Preise auf der anderen. Wie viel Öl gibt es denn wirklich noch auf der Erde und wie lange wird es reichen?

Die Ölreserven belaufen sich auf 220 bis 240 Milliarden Tonnen (inklusive Schieferöl und Ölsand), je nach Quelle. Bei dem heutigen Verbrauch reicht diese Reserve noch mehr als 50 Jahre. Zum Vergleich: Den bisherigen Verbrauch seit Beginn des Ölzeitalters beziffert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe auf 175 Milliarden Tonnen. Die Nachfrage wird in den kommenden Jahrzehnten jedoch steigen. Nach einer Prognose von BP erhöht sich der Verbrauch bis 2035 von heute 90 auf circa 109 Millionen Barrel pro Tag.

 

Kann denn dieser Bedarf auf lange Sicht überhaupt gedeckt werden?

Es gibt immer wieder neue Erdölfunde. Zu den bedeutendsten Neufunden der vergangenen Jahre gehören mehrere Öl-Felder im Südatlantik vor der Küste Brasiliens sowie Vorkommen in Kasachstan und China. Technologische Fortentwicklungen in der Fördertechnik ermöglichen zudem eine immer effizientere Ausschöpfung der vorhandenen Lagerstätten. Höhere Reserven ergeben sich zudem durch neuartige Bohrtechniken und Methoden, um Offshore-Bohrungen in immer tieferen Gewässern durchführen zu können. In Abhängigkeit zur Höhe des Ölpreises werden zudem bislang unwirtschaftliche Ölvorkommen für eine Erschließung attraktiv. Bestes Beispiel dafür sind die Ölsande in Kanada: Bereits 24,1 Milliarden Tonnen dieser Vorkommen zählen seit einigen Jahren zu den gesicherten Welterdölreserven. Daher liegt Kanada heute nach Saudi-Arabien auf Platz zwei der Länder mit den größten gesicherten Reserven im Bereich Erdöl.

Warum kommt es immer wieder zu starken Preisschwankungen beim Ölpreis?

Der Wissenschaftler Leonardo Maugeri hat bereits 2012 eine Ölschwemme und fallende Preise ab 2015 vorhergesagt, weil die Kapazitäten zur Ölförderung auf der Angebotsseite erheblich ausgeweitet würden. Der Schiefergas-Ölboom in den USA ist keine Blase, sondern die wichtigste Revolution im Ölsektor seit Jahrzehnten', schrieb er in einer Studie. Es gebe enorme Mengen von konventionellem und unkonventionellem Öl, das zum Teil noch gar nicht entdeckt sei. Ein Fördergipfel, ein Peak-Oil, sei nicht in Sicht. So ist es gekommen. Es gibt Öl im Überfluss, und die Preise sind verfallen. Das Förderkartell Opec hat sich bereits seit einigen Monaten vorläufig selbst aus dem Spiel genommen und will den Ölhahn vorerst nicht mehr zudrehen. Sondern ganz marktwirtschaftlich versuchen, seine Kostenvorteile bei der Förderung auszuspielen. vh

RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Montag, 13. April 2015, Seite 11

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