Die Jagd nach günstigem Heizöl ist im Gange


Von unserer Mitarbeiterin Natalie Simon

Kreis Altenkirchen. Der kurze Wintereinbruch im Januar ließ die Heizanlagen in der Region zum ersten Mal in diesem Winter auf Hochtouren laufen. Und so mancher Hausbesitzer schaute in seinen Keller und stellte fest: Da ist durchaus noch Platz im Heizöltank. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass die Preise für Heizöl schon seit Monaten auf Talfahrt und derzeit so niedrig wie seit Jahren nicht mehr sind. Daher nutzen momentan viele Ölheizungs-Besitzer im AK-Land die günstige Gelegenheit, um ihre Tanks noch einmal so richtig aufzufüllen. 

Doch mit dem Anruf beim örtlichen Heizölhändler kommt in diesen Tagen die Ernüchterung. Denn: „Die Lieferung kann bis zu vier bis sechs Wochen dauern. Wartezeiten für Kunden, die dringend Heizöl benötigen, gibt es aber nicht“, sagt Thomas Bellersheim, Geschäftsführer der H. & R. Bellersheim GmbH mit Sitz in Neitersen. Circa drei Wochen vergehen von der Bestellung bis zur Lieferung bei der Adolf & Kämpf GmbH in Hachenburg, einem Unternehmen der AMB-Gruppe. Acht Tankwagen setzt die Firma ein, von denen jeder circa zehn bis zwölf Touren pro Tag fährt, wie Geschäftsführer Robert Adolf erzählt. 

Für die Portemonnaies der Verbraucher ist der aktuelle Preisverfall beim Heizöl natürlich positiv. Stand der Preis pro Liter Heizöl noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres bei im Durchschnitt 65 Cent, bekommt der Käufer den Liter aktuell im Kreis Altenkirchen bereits für 47 Cent. Der Ölpreis richtet sich – anders als der Benzinpreis, der stark vom Wettbewerb unter den Tankstellen getrieben wird – fast ausschließlich nach dem Preis an der Börse. Und dort erlebt das schwarze Gold nach einem kräftigen Preisrutsch im Sommer einen kontinuierlichen Preisverfall. Deshalb beobachten Bellersheim und Adolf gleichermaßen, dass Kunden jetzt trotz fast voller Tanks noch mal bis zum Rand auffüllen, um den günstigen Preis mitzunehmen. 

„Die Kunden orientieren sich heute live im Internet oder über die Medien und tanken kontinuierlich kleinere Mengen nach“, hat Robert Adolf beobachtet. Dies führe allerdings auch zu einem wesentlich höheren Transportaufkommen. Als weiteren Effekt der derzeit niedrigen Preise hat Thomas Bellersheim beobachtet, dass viele Ölheizungsbesitzer die bestehenden Förderangebote nutzen und ihre alten Heizungsanlagen austauschen. 

Die Nachfrage nach Heizöl hat sich schon lange generell verändert. Seit Jahren nehmen die lokalen Händler wie auch die deutschlandweit agierenden Anbieter wahr, dass die Kunden dabei immer weniger dem üblichen Jahresrhythmus folgen. Noch bis vor einigen Jahren füllten sie ihre Tanks immer kurz vor der Heizperiode auf, heute schauen die Kunden ins Internet und in die Medien, beobachten auf lange Sicht die Entwicklung, um sich zum günstigsten Zeitpunkt einzudecken. Da rücken die Tanklastwagen auch antizyklisch im Sommer aus, um für den Winter vorzusorgen. Für den Handel habe diese Entwicklung zwei Nachteile: Einerseits kommt es dadurch immer öfter zu extremen Nachfrageschüben, andererseits werden aber auch Zeiten ohne Aufträge häufiger. 

Was der seit vergangenem Sommer stark gesunkene Heizölpreis für die Händler bedeutet, erklärt Thomas Bellersheim: „Der Preisverfall spielt für uns als Händler keine bedeutende Rolle, da die Preiskalkulation immer vom Einkaufspreis ausgeht.“ Allerdings seien mit dem deutlich gesunkene Preisniveau auch weniger Forderungsausfälle verbunden. Heißt also im Klartext: ein geringeres Risiko. 

Dem entgegen sieht Adolf & Kämpf-Geschäftsführer Robert Adolf für die Händler ein höheres Risiko. Der Grund: Im vergangenen August urteilte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dass Kunden bei sogenannten Fernabsatzverträgen – also der Bestellung per Telefon, Fax oder Internet – diese jederzeit bis zur Lieferung wieder stornieren dürfen. Da die Händler aufgrund ihrer Kundenanfragen die entsprechenden Mengen ordern, bräuchten sie eigentlich auch die Gewissheit, dass ihnen diese Menge auch abgenommen wird, erläutert Adolf. Ansonsten bestünde nur noch die Möglichkeit, das Heizöl zu einem günstigeren Preis abzugeben oder es einzulagern. 

Aufgrund des Überangebotes auf dem Markt geht der Geschäftsführer der H. & R. Bellersheim GmbH, Thomas Bellersheim, generell von einem moderaten Ölpreis in den kommenden Jahren aus. Sein Kollege Robert Adolf hält eine längerfristige Preisprognose für schwieriger: „So viele Faktoren spielen bei der Preisbildung eine Rolle. Selbst erfahrene Hasen in der Branche haben sich im vergangenen Jahr verkalkuliert.“

RZ Kreis Altenkirchen vom Freitag, 26. Februar 2016, Seite 11

Zurück