Billiges Öl entlastet Verbraucher


Berlin. Autofahrer und Heizölkunden profitieren von der spektakulären Entwicklung des Ölpreises: Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent ist ungefähr 40 Prozent billiger als noch vor einem Jahr und kostet kaum mehr als 40 Dollar.

 

Foto: Screenshot Rhein-Zeitung
 

Von Eckart Gienke

Solche Preise haben die Märkte zuletzt 2009 und 2005 gesehen. Mehr als drei Jahre lang, von Anfang 2011 bis zum Sommer 2014, lag der Ölpreis meistens jenseits der 100 Dollar. Im Jahr 2012 wurde ein Höhepunkt erreicht, seitdem ist die Tendenz wieder rückläufig. Erst ganz langsam, dann immer schneller sind die Kosten für die Verbraucher gesunken.

Am Montag ging es erneut nach unten. So rutschte der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI erstmals seit Februar 2009 unter 35 Dollar. Der Deutsche Aktienindex (DAX) leidet darunter. Bereits in der Vorwoche hatten die Turbulenzen an den Rohstoffmärkten die Börse unter Druck gesetzt.

Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), betont: "Die Tankstellen haben die gesunkenen Einkaufspreise für Benzin und Diesel und damit die niedrigen Ölpreise eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben." Im Durchschnitt dieses Jahres ist der Benzinpreis (Super E 10) von 1,48 auf 1,36 Euro je Liter gesunken. Aktuell tendiert er mancherorts sogar gegen 1,20 Euro. Diesel verbilligte sich im Jahresdurchschnitt von 1,34 auf 1,17 Euro je Liter. Am Montag war der Kraftstoff in Hasselbach (Kreis Altenkirchen) sogar für 95,9 Cent pro Liter zu haben. Heizöl kostet nur noch wenig mehr als 50 Euro pro 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer).

Allein die Einsparungen der privaten Haushalte summieren sich nach Berechnungen des MWV auf 10,2 Milliarden Euro: 6,7 Milliarden Euro bei den Kraftstoffen, 3,5 Milliarden Euro bei Heizöl. Die Nachfrage blieb weitgehend konstant; wie im Vorjahr werden in Deutschland rund 109 Millionen Tonnen Ölprodukte verbraucht. Doch die Rechnung für Rohölimporte fiel schon nach neun Monaten um 13 Milliarden Euro geringer aus. Von den gesunkenen Ölpreisen profitieren nicht nur Verbraucher, sondern auch Firmen und die deutsche Volkswirtschaft insgesamt.

Ähnliche Einsparungen wie beim Öl sind bei Gas und Strom nicht drin. Doch auch Erdgas wird nicht teurer, sondern billiger, wenngleich die Preise nur langsam abschmelzen. Der Index der Gasverbraucherpreise des Internetportals Verivox weist einen aktuellen Durchschnittspreis von 6,4 Cent je Kilowattstunde (kWh) aus, das ist weniger als in den drei Vorjahren (bei einem Verbrauch von 20 000 kWh). Zum Jahresende haben 150 von 700 Versorgern Preissenkungen angekündigt, aber nur von durchschnittlich 4,5 Prozent.

Quelle: Rhein-Zeitung, 15. Dezember 2015, Titelseite

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