Pächterehepaar Mancini


Fast 30 Jahre wie im Traum - als Hannelore und Dieter Mancini im Jahr 1989 in Burbach eine Bellersheim Tankstelle übernahmen, erfüllte sich für beide ein Lebenstraum. Nun hören sie bald auf.

Dabei stand vor diesem Traum eine schwere Zeit. Dieter Mancini arbeitete zwar 20 Jahre zumindest finanziell sehr erfolgreich für ein Unternehmen. Der zunehmende Druck machte ihn aber krank. „Ich bin dann zu meinem damaligen Chef und habe ihm mitgeteilt, dass ich aufhöre.“ Dieter Mancini hatte schon längst Ideen geschmiedet, wie es beruflich weitergehen könnte.

Eine Tankstelle, das war immer sein großer Traum. Zusammen mit seiner Frau Hannelore reiften die Pläne für eine eigene Tankstelle. Sie schauten sich Grundstücke an und rechneten bis tief in die Nacht, was der Bau einer Tankstelle kosten würde. Leider stellte sich bald heraus, viel zu viel. Der Traum schien nur ein Traum zu bleiben. „Der damalige Bürgermeister von Burbach hatte einen guten Draht zu Bellersheim“, berichtet Dieter Mancini. „Und eines Tages rief Horst Bellersheim bei mir an und sagte: ‚Was halten Sie davon, wenn wir eine Tankstelle bauen und sie machen die’. Wir mussten nicht lange überlegen.“

Zusammen mit seiner Frau fuhr der angehende Tankstellenpächter zur Vertragsunterzeichnung. „Da wurde nicht lange gefackelt. Der Vertrag hatte nur drei Seiten. Ich habe geschaut, wo ich unterschreiben muss. Ehrlich gesagt, habe ich mir den Vertrag nicht einmal durchgelesen“, lacht Dieter Mancini.

Einen Traumstart legten die Mancinis nicht hin. Da ihre Tankstelle in einem Industriegebiet liegt, musste sich erst herumsprechen, dass dort nette Leute auf Kunden warteten. „Wir hatten Samstag mit großer Feier eröffnet. Und Montag standen wir hier und es kam niemand. Wir haben sogar Autos von Bekannten auf dem Gelände geparkt, damit es aussah als seien Kunden hier“, erinnert sich Dieter Mancini an die schweren Anfänge.

„Alle meine Kumpels sagten damals, ‚Dieter, das geht in die Hose!’. Aber meine Frau und ich haben immer geglaubt, dass diese Tankstelle eine Erfolgsgeschichte wird.“ Das erste halbe Jahr als Tankstellenpächter lief allerdings wirklich äußerst schleppend. „Da kamen wir natürlich schon ins Zweifeln“, erinnert sich Dieter Mancini. „Wir konnten uns nicht einmal einen Stuhl für 100 Mark leisten.“

Aber plötzlich brummte das Geschäft. Immer mehr Kunden kamen aus den umliegenden Ortschaften. Außerdem hatte Dieter Mancini ein gutes Verhältnis zu den Chefs der umliegenden Firmen aufgebaut. Und vor allem die zunächst kleine Kfz-Werkstatt entwickelte sich zu einer echten Erfolgsgeschichte. Immer mehr Menschen ließen ihre Fahrzeuge von Dieter Mancini reparieren und wurden so zu treuen Stammkunden, während seine Frau Hannelore sich um die Kunden in der Tankstelle kümmerte.

„Im Laufe der Jahre erkennen wir, wie unsere Stammkunden gelaunt sind“, schildert Hannelore Mancini. „Ich spüre schon beim Reinkommen, ob jemand heute gut drauf ist oder nicht. Wenn nicht, dann lasse ich den Menschen in Ruhe. So etwas muss ein guter Pächter im Gefühl haben.“

Heute arbeiten allein in der Werkstatt sechs Leute. Die Werkstatt leitet inzwischen Sohn Andree. „Unser Sohn ist hier mitgewachsen. Er hat damals seine Ausbildung woanders gemacht. Mit Anfang 20 war er damals jüngster Meister in der Region. Wir haben aber niemals gesagt, er solle zu uns kommen. Aber er wollte das unbedingt“, freut sich Dieter Mancini über diese Entscheidung.

Bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter haben die Mancinis immer eine gute Hand bewiesen. In der Werkstatt haben die meisten Angestellten vom Praktikum, über die Lehre bis hin zum Gesellen alle Stufen durchlaufen. „Irgendwie haben wir wohl doch nicht alles verkehrt gemacht, dass die Leute so lange bei uns geblieben sind“, lacht Dieter Mancini.

Allerdings wechselten in den fast 30 Jahren an der Mancini-Tankstelle die Spritmarken. Als Dachmarke fungierte zunächst die DEA, dann Shell und jetzt Aral. „Der Wechsel der Dachmarken brachte viele Veränderungen mit sich, leider nicht zum Guten. Für die großen Marken wie Shell und Aral sind wir Pächter nur eine Nummer“, kritisiert Dieter Mancini den Service der Mineralölunternehmen, „aber wir haben zum Glück immer den „Prellblock“ Bellersheim gehabt. Wenn es ein Problem gab, ein Anruf bei Wolfgang Eichelhardt von Bellersheim genügte. Der Mann weiß alles.“

Ende September ist für die Mancinis aber Schluss mit Tankstelle. Dann übernimmt die Station ein neuer Pächter. Ein Abschied nicht ganz ohne Wehmut wie Dieter Mancini erzählt: „Natürlich ist es schade, dass keiner aus der Familie die Tankstelle weiterführen kann. Aber unser Sohn ist zu sehr in der Werkstatt eingebunden.“

Hat es sich gelohnt? „Ja, ohne Wenn und Aber“, sagt Dieter Mancini, „denn es war immer mein Traum, eine Tankstelle zu führen. Und mit Bellersheim hatten wir in all den Jahren einen zuverlässigen Partner an unserer Seite.“

Bald beginnt für die beiden eine neue Zeit, von der Hannelore Mancini träumt: „Ich freue mich jetzt schon auf den ersten Morgen, wo ich endlich wieder mit meinem Mann zusammen frühstücken kann.“

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