Eine Ära endet, ein neues Kapitel beginnt


Rudolf Bellersheim im Interview: Hinter dem Geschäftsführer der Bellersheim Unternehmensgruppe liegen aufregende Tage. Anfang Juni feierte er mit insgesamt knapp 300 Gästen in Weyerbusch und Flammersfeld seinen 70. Geburtstag. Und Ende Juni verabschiedete er sich nach über 40 Jahren aus dem Geschäft, das künftig seine Tochter Simone und sein Neffe Thomas leiten werden.

Herr Bellersheim, haben Sie die Feierlichkeiten zu Ihrem 70. Geburtstag gut überstanden?
Aber ja. An meinem Geburtstag selber habe ich mit meiner Familie und knapp 130 Gästen in Weyerbusch gefeiert. Und am nächsten Tag kamen noch einmal etwa 140 Mitarbeiter, Kunden, Nachbarn und Freunde nach Flammersfeld. Über die vielen Glückwünsche habe ich mich riesig gefreut. Und Spaßmacher Jürgen Beckers, den ich aus dem Kölner Karneval kenne, sorgte bei mir und meinen Gästen für viele Lacher. Sehr berührt haben mich die Ansprachen meiner beiden Kinder Simone und Arndt. Und ich bedanke mich recht herzlich für die großartige Spendenbereitschaft meiner Gäste. Insgesamt etwa 10.000 Euro sind an beiden Abenden zusammengekommen. Jeweils die Hälfte dieses Betrages kommt nun den Jugendfußballern der Wiedbachtaler Sportfreunde Neitersen und der Deutschen Kinderkrebshilfe zugute.

Nach der großen Feier steht aber nun ein Abschied bevor. Denn Sie werden sich künftig als Geschäftsführer zurückziehen und die Geschäfte an Ihre Tochter und Ihren Neffen übergeben. Fällt es Ihnen leicht loszulassen?
So richtig vorstellen kann ich mir das noch gar nicht. Es ist zwar nicht so, dass ich deswegen nachts nicht mehr schlafen kann. Aber natürlich mache ich mir meine Gedanken, ob ich den Übergang ins Privatleben reibungslos hinbekomme. Es ist aber auch nicht so, dass ich mich von heute auf morgen komplett zurückziehe. Das ginge nach über 40 Jahren im Geschäft auch gar nicht. Ich denke, ich werde auch weiterhin regelmäßig vorbeischauen und noch einige Dinge regeln. Vielleicht bin ich auch noch ein hilfreicher Ratgeber für meine Tochter Simone und meinen Neffen Thomas wenn sie denn meinen Rat möchten. Und natürlich habe ich mir so meine Gedanken gemacht, ob ich auch alles soweit vernünftig geregelt habe oder ob ich möglicherweise noch Dinge versäumt habe. Das wird die Zeit zeigen.

Blicken wir einmal zurück. Ihr Weg in den Familienbetrieb ist ja nicht ganz ohne Umwege verlaufen.
Das kann man wohl so sagen. Wenn es nach meiner Mutter gegangen wäre, hätte ich eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Kaufmann war mir damals zunächst aber zu stupide. Mich interessierte schon immer die Technik, vor allem Elektrotechnik. Daher habe ich, sehr zum Ärger meiner Mutter, eine Ausbildung bei der Deutschen Post, also der heutigen Telekom, angefangen. Mitte der 60er Jahre war ich damit fertig. Ich habe dann noch knapp zwei Jahre bei der Post gearbeitet. Danach absolvierte ich noch meinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr. Erst danach bin ich in den Betrieb eingestiegen, den mein Bruder Horst und ich von unserem Großvater Otto Bellersheim geerbt hatten.

Ihr älterer Bruder Horst hatte sich ab Mitte der 50er Jahre direkt um die Geschäfte gekümmert. Waren Sie ihm denn sofort eine große Hilfe?
Ich war ja damals noch ganz jung, daher konnte ich natürlich noch keine große Hilfe sein. Aber auch als knapp Zehnjähriger habe ich schon auf das Lager und das Büro aufgepasst, wenn mein Bruder mit dem Traktor zum Kunden unterwegs war. Wenn ich so zurückdenke, erlebten wir damals eine rasante Entwicklung vor allem im Transportbereich. Ich erinnere mich noch, dass mein Bruder oder unsere Mitarbeiter Kies mit Pferdeanhängern zum Kunden gefahren haben. Damals mussten die Hänger selber per Hand befüllt und beim Kunden dann auch wieder selber entladen werden. Ein Knochenjob. Dann gab es irgendwann einen Traktor und ein Förderband. So dauerte die Warenlieferung zum Kunden schon nicht mehr ganz solange. Dann kauften wir einen Hänger mit Kippfunktion dazu. So musste die Ware wenigstens nicht länger mit Schaufeln abgeladen werden. Später erwarben wir auch noch einen Traktor mit Frontlader. Und Ende der 50er Jahre kamen wir günstig an einen gebrauchten Hanomag, den wir liebevoll ’Roten Elias’ tauften. Der hatte fast dieselbe rote Farbe wie sie heute in unserem Firmenlogo auftaucht.

Wie ging Ihr persönlicher Werdegang im Betrieb weiter?
Mein eigentlicher Einstieg in den Betrieb verlief relativ unspektakulär. Ich hatte mich bereit erklärt, unsere Tankstelle in Neitersen zu führen. Wir suchten damals einen Pächter für die Station. Das dauerte schließlich ein halbes Jahr. Solange hab ich mich um den täglichen Betrieb an der Station gekümmert. Ich habe im Prinzip alles gemacht. Ich bin Lkw gefahren, habe Rechnungen geschrieben, mich um den Einkauf gekümmert und die Disposition der Fahrzeuge übernommen. Irgendwann sagte mein Bruder zu mir, es wäre besser, wenn ich mich nun auf meine Tätigkeiten als Geschäftsführer konzentrieren würde. Unser Betrieb war inzwischen so groß geworden, dass mein Bruder Unterstützung benötigte. Ab den 70er Jahren kamen dann außerbetrieblich noch einige Verbandstätigkeiten hinzu beispielsweise als Vorstandsmitglied des VEH, dem Verband für Energiehandel Südwest-Mitte. 2002 bin ich dann zum Vorsitzenden des VEH gewählt worden. Damit stieg ich automatisch auch in Vorstand des Bundesverbandes auf, wo ich mich unter anderem für das RAL-Gütezeichen für Tankwagen stark gemacht habe. Diese Normvorschrift habe ich zusammen mit dem Vorstand des VEH entwickelt. Das RAL-Gütezeichen ist inzwischen Standard für viele Tanklastwagen in Deutschland.

Haben Sie und ihr Bruder eigentlich immer die Vision oder die Idee verfolgt, Bellersheim zu einem so großen Betrieb zu machen?
Das wäre gelogen, wenn ich das behaupten würde. Das Tankstellengeschäft lief anfangs erst einmal nur mit. Gleichzeitig wuchs das Heizölgeschäft, weil niemand mehr Briketts oder Kohlen schippen wollte. Wir waren damals Handelspartner von der DEA, also von der Deutschen Erdöl AG, die uns geraten haben, Tankstellen zu bauen. Das sei die Zukunft. Interessanterweise waren es ebenfalls die DEA-Leute, die uns vom Bau der ersten SB-Waschanlagen im Kreis Altenkirchen zu Beginn der 80er Jahre abraten wollten. Mein Bruder und ich waren von dem Konzept allerdings überzeugt. Und wie man heute sieht, hatten wir recht damit.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft von Bellersheim?
Ich wünsche mir zunächst, dass alle gesund bleiben, vom Mitarbeiter bis zur eigenen Familie. Weiterhin wünsche ich mir und meinen Nachfolgern, dass sie immer die Kunden im Blick haben, dass wir zusammen mit unseren Kunden das bestmögliche Konzept erarbeiten und dass wir ein offenes Ohr dafür haben, was der Kunde möchte und was wir dem Kunden anbieten können. Ich hoffe, alle in der Unternehmensgruppe Bellersheim verlieren niemals das gemeinsame Ziel aus den Augen, dem Kunden immer das Beste zu bieten.

Und was macht der Geschäftsführer Rudolf Bellersheim, wenn er künftig nur noch Privatmann ist?
Da gibt es genug Dinge, mit denen ich mich dann intensiver beschäftigen werde. Ich fahre gerne Rad oder spiele Golf und Tennis. Und im Winter fahre ich mit meiner Frau sowie Freunden und Bekannten Ski. Außerdem habe ich schon immer den Traum gehabt, wenn ich mal in Rente bin, kaufe ich mir eventuell eine alte Schreinerei oder Schmiede. Passende Objekte habe ich schon ins Auge gefasst. Ansonsten hoffe ich, dass es auch für meine Frau nicht zu anstrengend wird, wenn ich künftig mehr daheim bin.

Herr Bellersheim, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft und dass sich alle Ihre Wünsche und Träume erfüllen werden.

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