"Belastungen für Fahrer und Maschine sind enorm gestiegen."


Als Thomas Bay vor 33 Jahren bei der Bellersheim Unternehmensgruppe anfing, reparierte er noch Landmaschinen. Heute kümmert sich der Werkstattleiter um Kipplastwagen und Tankwagen. Im Interview erzählt er von den zahlreichen Veränderungen im Werkstattgeschäft.

Einen alten Traktor bekommen Sie immer noch ans Laufen, Herr Bay?
Aber ganz sicher. Was man einmal gelernt hat, das vergisst man nicht. Erst kürzlich habe ich den alten Traktor von Senior-Chef Horst Bellersheim wieder flott gemacht. Der Schlepper ist Baujahr 1939.

Und fährt?
Wie in alten Zeiten. Ich bin gelernter Landmaschinen-Mechaniker. Die Ausbildung habe ich 1982 hier bei Bellersheim gemacht. Solange gibt es im Übrigen auch diese Werkstatt hier. Die habe ich sozusagen mit aufgebaut. Meine Arbeit hat sich im Laufe der Zeit natürlich erheblich geändert. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, habe ich mich fortgebildet. Ich habe erst den Landmaschinen-Mechaniker-Meister gemacht und 1994 dann noch den Kfz-Meister. Seitdem leite ich auch das Werkstattgeschäft bei der Bellersheim Unternehmensgruppe.

Vermutlich sind auch die Fahrzeuge nicht mehr die gleichen wie vor 30 Jahren.
Nein, auch bei den Maschinen hat sich eine rasante Entwicklung vollzogen. Zunächst einmal reparieren wir hier in der Werkstatt keine Landmaschinen mehr. Und bei den heutigen Lastkraftwagen lohnt es sich nicht mehr, alle Wartungsarbeiten und Reparaturen hier vor Ort zu machen. Heute ist es so: Wenn ich die Motorklappe geöffnet habe, muss ich zuerst einen Laptop anschließen. An den Fahrzeugen lässt sich manuell fast gar nichts mehr verändern. Moderne Lkw-Motoren sind vollkommen elektronisch geregelt. Und mit jeder neuen Motorengeneration kommt eine neue Software auf den Markt, die wir für viel Geld erst einmal vom Hersteller erwerben müssen. Da haben wir hier bei Bellersheim gesagt, das machen wir nicht mehr mit. Daher geben wir unsere Fahrzeuge für gesetzliche Prüfungen und regelmäßige Wartungen direkt an die Hersteller weiter. Wir haben mit den Fahrzeugherstellern wie beispielsweise MAN sogenannte Wartungsverträge.

Und welche Reparaturen können Sie hier vor Ort leisten?
Es bleibt immer noch genug zu tun. Die Reifen müssen regelmäßig gewechselt werden. Wir tauschen Bremsbeläge oder kümmern uns um kleinere Unfallschäden. Manchmal schweißen wir auch kleinere Metallelemente. Auch die Wartung der Bremsanlagen übernehmen wir. Die gesamte Bremsanlage wird zwar auch elektronisch gesteuert, allerdings ändert sich die für die Wartungsarbeiten notwendige Software nicht so häufig wie bei den Motoren. Somit lohnt sich das für uns noch.

Wie lange sind die Lkw in der Regel im Einsatz?
Wir planen mit einer Nutzungsdauer von 3,5 Jahren. Normalerweise ist der Lkw dann zwischen 350.000 und 400.000 Kilometer gefahren. Durch die Verlagerung eines Großteils des Güterverkehrs auf die Straße, sind die Fahrzeuge meist von Sonntagabend bis Freitagnachmittag unterwegs. Deswegen ist der Freitag auch immer sehr arbeitsintensiv, weil dann alle Fahrzeuge gleichzeitig reinkommen. Die Beanspruchung der Fahrzeuge hat sich durch die weiteren Touren verändert. Wir fahren ja inzwischen europaweit zum Beispiel die Nordrouten nach Norwegen, Dänemark, Schweden oder England. Aber auch die benachbarten Beneluxländer oder den Süden, Schweiz, Österreich und natürlich auch Portugal, Spanien, Italien oder die Länder im ehemaligen Jugoslawien fahren wir an. Die Belastungen für Fahrer und Maschine sind daher enorm gestiegen.

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Zurück