Heizölpreis bleibt ein großes Rätsel


Heizölpreis bleibt ein großes Rätsel

Energie Günstiger Sommer war ein Märchen aus alter Zeit, doch zurzeit trifft es zu

Von unserer Mitarbeiterin Silvia Patt

M Kreisgebiet. Die Aussage hält sich hartnäckig: Heizöl ist im Sommer am billigsten. In diesen Tagen traf das zu, doch wie der Fachmann sagt, ist das reiner Zufall. „Niemand kann noch vorhersagen, wie sich der Preis entwickelt“, so Rudolf Bellersheim, Vorsitzender des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte.

Die Meinung, ausgerechnet im Sommer ein Schnäppchen machen zu können, ist laut dem Neiterser Unternehmer ein Relikt aus der Zeit von Kohlen und Briketts. Die Statistik jüngerer Jahre lässt auf ein Sommermärchen des Heizöls schließen: „In den vergangenen 30, 40 Jahren lag der niedrigste Heizölpreis sehr oft im Januar.“ Inzwischen halte sich das Gerücht nur noch bei älteren Leuten, meint Bellersheim. „Die Jüngeren informieren sich im Internet.“

Regelmäßig informieren – einen anderen Tipp hat der Fachmann auch nicht parat, um einen günstigen Zeitpunkt zu erwischen. „Die Frage ist aber seriös nicht zu beantworten. Eine Prognose gleicht dem Blick in die Glaskugel.“ Neben real existierenden Faktoren wie beispielsweise erhöhtem Verbrauch in China durch die Stilllegung von Kohlekraftwerken spielen auch Spekulanten eine Rolle, die Wetten auf sinkende oder fallende Preise eingehen und damit den Handelspreis beeinflussen.

„Im Moment ist es günstig, Sie sollten jetzt tanken“, ist deshalb der einzig mögliche Tipp, den der heimische Heizölhändler seinen Kunden geben kann – und selbst der ist ohne Gewähr.

Auch die Heizöllieferanten sind dem Auf und Ab der Preise ausgeliefert, können nur mit ihrer Erfahrung entscheiden, ob sie zum momentanen Preis eine hohe oder eher niedrigere Literzahl ordern. „Der Preis, der den Kunden bei der Bestellung genannt wird, muss aus diesem Grund auch berechnet werden, selbst wenn er am Tag der Lieferung ein ganz anderer ist“, erklärt Bellersheim.

Die Empfehlung „Jetzt tanken!“ hat er in der vergangenen Woche auch als Verbandsvorsitzender gewagt. Weil die Organisation immerhin für Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Thüringen zuständig ist, wurde seine Aussage von der bundesweiten Presse zitiert. Dass er damit eine Punktlandung gemacht hatte, zeigt der Vergleich: Am Montag vergangener Woche kostete eine Charge von 1500 bis 2500 Liter zwischen 86 und 90 Cent pro Liter, diesen Montag waren es bereits wieder 89,6 bis 91 Cent (jeweils für schwefelarmes Heizöl).

Rudolf Bellersheim hält seine Empfehlung trotz des Aufwärtstrends aufrecht, denn er rechnet damit, dass aufgrund der seit Monaten hohen Preise viele Tanks recht leer sind. Wenn, vom Wetter getrieben, die Haushalte im Herbst auftanken, könnte es zu Lieferstaus und hohen Preisen kommen.

Wenn Bellersheim von günstigen Preisen redet, ist ein unausgesprochenes „relativ“ dabei. Allgemein findet er die Preise für Energie, nicht nur für Öl, deutlich zu hoch, und das setzt einen Teufelskreis in Gang. „Die Leute müssen so viel für Öl oder Gas bezahlen, dass sie kein Geld für eine Heizungsmodernisierung haben. Mit einer modernen Heizung könnten sie aber hohe Summen sparen und natürlich auch der Umwelt Gutes tun.“

Der Verband der Energiehändler empfiehlt derzeit Brennwerttechnik in Kombination mit einer Solaranlage, aber auch die Technik schreitet voran. Der „letzte Schrei“ sind ölbetriebene Mini-Blockheizkraftwerke, die derzeit nur für Miethäuser oder Hotels rentabel sind, an einer Nutzung fürs Einfamilienhaus wird aber gefeilt.

Vom Heizöl Abschied zu nehmen, weil es bald keins mehr gibt, hält Rudolf Bellersheim übrigens für völlig absurd. „Allein die bereits erschlossenen Ölvorkommen halten noch 60 bis 70 Jahre.“

RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Freitag, 19. August 2011, Seite 15

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