E 10 FLIESST IMMER HÄUFIGER IN DIE FAHRZEUGTANKS


E 10 fließt immer häufiger in die Fahrzeugtanks

Biosprit Absatz im AK-Land nimmt langsam zu

Von unserer Redakteurin Gudrun Kaul

M Kreisgebiet. Langsam, aber sicher wird er angenommen. Immer mehr Autofahrer im Kreis Altenkirchen entscheiden sich inzwischen für den Biosprit „E 10“. Das zeigte eine Umfrage unserer Zeitung bei Tankstellenbetreibern zwischen Altenkirchen und Niederfischbach.

Beim ersten Anlauf war die Resonanz für die Tankstellen nicht nur im AK-Land ernüchternd bis entmutigend. Als im Februar/März der Biotreibstoff „E 10“ erstmals durch die Zapfpistolen hätte fließen können, reagierte die große Mehrheit der Autofahrer ablehnend. Kaum einer wollte seinem Fahrzeug den Treibstoff mit dem zehnprozentigen Anteil von Bioethanol zumuten, fürchtete vielmehr, dass der neue Sprit dem Auto schaden könnte – auch der ADAC riet zur Vorsicht. Die Mineralölkonzerne reagierten prompt, flächendeckend wurde neben Super plus auch wieder Super angeboten.

Inzwischen findet E 10 eine wesentlich bessere Resonanz. „Es wird gut angenommen“, schildert beispielsweise Marcus Alt, Eigentümer der Aral-Tankstelle in Kirchen, auf Anfrage der RZ die aktuelle Situation. „Am 5. September erfolgte die Umrüstung, ab 6. September haben wir E 10 angeboten. Mitte September haben wir am Tag rund 700 Liter verkauft“, erläutert Alt rückblickend. Mittlerweile hat sich der E-10-Absatz an seiner Tankstelle auf 1000 bis 1500 Liter täglich gesteigert. „Es sind noch keine 5000 Liter am Tag, aber es wird langsam immer mehr“, meint er. Aktuell sind es pro Tag rund 40 Kunden, die sich für das im Vergleich zum Superbenzin drei Cent preiswertere E 10 entscheiden.

Das Unternehmen Bellersheim mit Sitz in Neitersen betreibt rund 50 Tankstellen in mehreren Landkreisen – sowohl Markentankstellen als auch Stationen mit der Eigenmarke. An fast allen fließt inzwischen E 10, wie Geschäftsführer Frank Bellersheim im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert und gleichzeitig darauf hinweist, dass der Ökosprit bis Ende des Jahres flächendeckend in ganz Deutschland erhältlich sein wird. Auch an den Bellersheim-Tankstellen steigt die Akzeptanz von E 10 langsam an. 15 bis 20 Prozent der Kunden greifen derzeit bereits auf das Angebot zurück, so der Geschäftsführer. „90 Prozent könnten den Biosprit tanken“, betont er.

„Wir waren die erste Tankstelle im Raum Altenkirchen, die E 10 hatte“, unterstreicht Werner Bergk, Inhaber einer Freien Tankstelle in der Kreisstadt. Er registriert ebenfalls eine langsam steigende Nachfrage nach dem Treibstoff mit dem höheren Bioethanolanteil. Und er wird immer wieder von unsicheren Autofahrern mit Fragen nach der Verträglichkeit des Sprits für ihr Fahrzeug konfrontiert. „Wir dürfen als Tankstelle keine Empfehlung geben“, sagt Bergk. Er rät den Autofahrern, sich bei Zweifeln in jedem Fall an den Fahrzeughersteller zu wenden.

Anfangs negative Erfahrungen mit dem E-10-Verkauf blieben auch der Agip-Service-Station in Wissen nicht erspart. Einerseits war man, bezogen auf die Marke, die erste Tankstelle im Kreisgebiet, die den Biosprit in der Lagertanks hatte, andererseits reagierten die Kunden ablehnend. Mittlerweile steigt die Nachfrage langsam an, so Heiko Müller, Sohn des Inhabers Hans Werner Müller. Inzwischen „gibt es Leute, die schwören darauf“, sagt er, während andere noch immer verunsichert seien.

An der Bell-Oil-Station in Alsdorf, wo es seit September E 10 gibt, begegnen die Pkw-Fahrer dem neuen Produkt nach wie vor recht vorsichtig. Es wird nur verhalten angenommen. „Die Leute befürchten, dass die Motoren ihrer Autos Schaden nehmen können“, hat Pächter Matthias Köhler in Gesprächen festgestellt.

„Das Produkt kommt nicht an“, sagt Ralf Berger aus Altenkirchen, Inhaber von insgesamt sieben bft-Tankstellen im Kreis Altenkirchen. An seinen Tankstellen wird es bis auf Weiteres kein E 10 geben. „Es hat auch noch kein Kunde danach gefragt“, betont Berger.
 
RZ Altenkirchen, Betzdorf vom Samstag, 15. Oktober 2011, Seite 17

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