BELLERSHEIM IN FEIERLAUNE


Viel Humor bei Fest zum 125. Firmengeburtstag

Firmenjubiläum: Stundenlange Grußworte, Überreichung von Ehrenurkunden, ernste Worte zur wirtschaftlichen Lage... Es geht auch anders, wie ein 125-jähriger Unternehmensgeburtstag gestern zeigte. Glückwunsch, Bellersheim - und das nicht nur zum kurzweiligen Programm!

NEITERSEN. Versorgen und entsorgen - das sind die Geschäftsfelder der Bellersheim Unternehmensgruppe aus Neitersen. Zum 125-jährigen Firmenjubiläum wurden gestern die Gebräuche verstaubter Jubelfeiern ent- und die 250 Gäste mit viel Humor in edlem, aber lockeren Ambiente versorgt.

Das rund 350 Mitarbeiter zählende Familienunternehmen präsentierte mit dem Stil der Feier in der Wiedhalle ein Stück Selbstverständnis: modern, innovativ und wendig will Bellersheim sein, aber auch bodenständig und der Region verbunden. Neben Geschäftsfreunden aus ganz Deutschland konnte Ulf Bellersheim dann auch zwei Westerwälder Landräte sowie etliche weitere Kommunalpolitiker bis hin zum Neiterser Gemeinderat begrüßen.

Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung aber war Ferdinand Linzenich. Er ist selbst Unternehmer, aber auch Kabarettist und fungierte als witziger Führer durch die Bellersheim-Geschichte sowie als Moderator und Talkmaster, dessen Fragen sowohl Unternehmensführung als auch Landrat und Bürgermeister zu beantworten hatten. Für lange Reden war da kein Platz.

Ein ums andere Mal ließ Linzenich die Gäste in helles Gelächter ausbrechen, ob er das Leben als Unternehmer aufs Korn nahm ("Ich selbst habe drei Konkurse abgewendet, acht Betriebsprüfungen überstanden, bei ergebnislosen Geschäftsessen eine mittelgroße Rinderherde vertilgt und 260 Stunden beim Steuerberater gesessen, für die er mir 2600 Stunden berechnet hat...") oder sich über die Gegend lustig machte, von der er bei Auftragsannahme erstmals gehört hatte ("Aha, Neitersen? Braucht man da ein Visum? Oder Impfungen?").

Beim Kalauer allein blieb es aber selbstverständlich nicht. Es war die Rede von den Gründungstagen der Firma Bellersheim, der Weiterentwicklung des Unternehmens, den heutigen Geschäftsfeldern und der Firmenphilosophie. Unterhaltsam und sehr persönlich wurden dem Publikum diese Informationen von den "Kapitänen" des Betriebes näher gebracht, optisch untermalt mit privaten Fotos aus dem Familienalbum auf Großleinwand - ein lehrreiches Programm über alte Zeiten und heutige Wirtschaftspolitik.

So war zu erfahren, dass der Firmengründer Wilhelm Walterschen mit über 90 Jahren noch das Unternehmen leitete, weil sein Sohn im Ersten Weltkrieg gefallen war. Horst und Rudolf Bellersheim, die "Silberrücken" im heutigen Unternehmen (Linzenich) haben ihn noch gekannt. "Ein korrekter, gutmütiger Mann", befanden die Brüder.

Dass auch die Landwirtschaft lange eine Rolle in der Firmengeschichte spielte, berichtete der 85-jährige Hans Schumann. In Kindertagen war er Mitarbeiter der Firma gewesen - als Viehhirte. Sieben Jahre hütete er die Kühe, der Lohn waren ein Paar Schuhe pro Saison. Im Winter half er im Büro, wo es damals schon "ganz moderne Sachen" wie eine Schreibmaschine gab. Spannend wusste der Senior das Staunen des Kindes über dieses "Hightech-Schreibgerät" zu schildern.

Horst und Rudolf Bellersheim geleiteten das Publikum dann bis in die 1990er-Jahre, die weitere Firmengeschichte schilderten Frank und Simone Bellersheim, während es Thomas Bellersheim oblag, in die Zukunft zu schauen.

Auf Geschenke zum Jubiläum hatte die Firmenleitung übrigens ausdrücklich verzichtet und die Gäste gebeten, stattdessen für einen guten Zweck ihrer Wahl zu spenden. Landrat Michael Lieber, der auch für den neuen Montabaurer Kreischef Achim Schwickert grüßte, und Bürgermeister Heijo Höfer hatten dennoch Kleinigkeiten mitgebracht: Vom Kreis gab"s ein 40 Jahre altes Luftbild des Firmengeländes, von der Verbandsgemeinde einen einmaligen Fußball - mit den Unterschriften des Bürgermeisters und der Beigeordneten.

Immer neue Zweige - Unternehmensgruppe blieb hochflexibel

Die Bellersheim Unternehmensgruppe hat als Geburtsstunde ihrer Firma 1884 festgesetzt. Gründer Wilhelm Walterschen war zwar zuvor schon selbstständiger Fuhrmann in Weyerbusch, zog aber in diesem Jahr nach Neitersen um, wo gerade die Bahnstrecke eröffnet worden war. Er begann dann, auch mit Kohle und Baustoffen zu handeln.

Das Heizölgeschäft entdeckte in den 1950er-Jahren der damals noch blutjunge Horst Bellersheim. Als Reaktion auf die zweite Ölkrise wurden in den 80ern weitere Geschäftsfelder erschlossen: mit Schmierstoffen und Tankstellen. In den 90ern kam die Abfallwirtschaft hinzu, zunächst mit einem Zwischenlager für Sonderabfälle, später mit Sortieranlage und Biomüllbehandlung. Seit 2008 wird auch Abfall abgefahren.

Geblieben ist der Handel mit Mineralöl, Schmierstoffen und Schüttgut sowie der Güterverkehr. Die Zahl der Tankstellen beläuft sich inzwischen auf knapp 40, die der Lkw auf 50.

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